Was ist Knochenschwund? Bei Knochenschwund handelt es sich um die sogenannte Osteoporose, die in heutiger Zeit eine Volkskrankheit darstellt. Millionen Menschen in Deutschland leiden daran, wobei insbesondere Frauen davon betroffen sind.

Die Knochensubstanz baut sich bei den Betroffenen vermehrt ab. Die Knochen werden aus diesem Grund immer brüchiger und unstabiler.

Falls Du mehr über die Osteoporose erfahren willst, dann informieren wir Dich in diesem Artikel ausführlich über diese weit verbreitete Erkrankung. Hier erfährst Du, was Osteoporose eigentlich genau ist, wie sich die Krankheit äußert, aus welchem Grund die Beschwerden entstehen und wie der behandelnde Arzt zuverlässig den Patienten behandelt.

Was ist Osteoporose?

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Aus zwei Grundbausteinen bestehen die Knochen:

  • Die Knochen bestehen aus einem speziellen Gewebe, das diese Form und Stabilität ermöglicht (Matrix).
  • Die Knochen bestehen aus unterschiedlichen Mineralien, die eingelagert werden in die Matrix (vor allem Phosphat und Kalzium). So wird die Struktur verdichtet und gestärkt.

Unentwegt befinden sich die Knochen im Umbau, damit bei den wechselnden Anforderungen eine Anpassung erfolgt. Normalerweise erfolgt etwa bis zum 35. Lebensjahr mehr Aufbau von Knochenmasse als Abbau. Allmählich überwiegt dann der Knochenabbau ab dem 35. Lebensjahr und mit dem Alter beschleunigt sich dieser Vorgang. Somit verlieren pro Jahr gesunde ältere Menschen ab dem 35. Lebensjahr ungefähr 0,5 bis 1 Prozent der Knochenmasse.

Aufgrund verschiedenster Einflüsse kann der normale Knochenstoffwechsel gestört werden. Unter anderem können so hormonbedingte Erkrankungen, Bewegungsmangel und Kalziummangel bewirken, dass der Knochenabbau zunimmt und/oder der Knochenaufbau verringert wird. Die Knochenmasse schwindet in der Folge und es entsteht im Anschluss Knochenschwund. Ältere Menschen sind vor allem betroffen. Im Extremfall können die Patienten bis zu sechs Prozent der Knochenmasse pro Jahr verlieren.

Symptome

Oftmals entwickelt sich Knochenschwund langsam. Im Allgemeinen haben Betroffene daher anfangs keine Beschwerden. Schmerzen treten erst später auf, zum Beispiel Knieschmerzen und Rückenschmerzen. Oftmals wird an diesen Beschwerden nicht erkannt, dass es sich um erste Osteoporose-Anzeichen handelt.

Zudem kommt es bei manchen Patienten ebenfalls zu Knochenbrüchen. Hierbei handelt es sich häufig um die Folge von einfachen Bagatellverletzungen. Ein harmloser, kleiner Sturz kann daher bereits einen Unterarmbruch verursachen. Sollten ohne erkennbaren Grund außerdem spontane Knochenbrüche entstehen, handelt es sich dabei möglicherweise um erste Osteoporose-Anzeichen.

Vermehrte Knochenbrüche, für die es keinen Anlass gibt, treten im fortgeschrittenen Stadium von Knochenschwund auf. Oftmals deuten hüftnahe Knochenbrüche (beispielsweise Oberschenkelhalsfraktur), Brüche am Wirbelhals (sogenannte Wirbelhalsfraktur) und Brüche am Ober- und Unterarm auf typische Osteoporose Anzeichen.

Ursachen

Prinzipiell werden bei Knochenschwund zwei Gruppen unterschieden: die primäre Osteoporose und die sekundäre Osteoporose, die viel seltener ist. Auch gibt es eine spezielle Form, den Knochenschwund im Kiefer, die Parodontose.

Primäre Osteoporose

Die primäre Osteoporose liegt nach den Wechseljahren bei Frauen und im höheren Alter bei beiden Geschlechtern vor.

Die Osteoporose nach den Wechseljahren (sogenannte postmenopausale Osteoporose) wird durch die Hormone verursacht: Die Wirkung und Bildung von Vitamin D und Calcitonin regulieren die weiblichen Sexualhormone (Östrogene). Für den Knochenaufbau sind einige Hormone sehr wichtig. Die Östrogenproduktion geht in den Wechseljahren zurück. Das erklärt auch, warum sich nach der letzten Regelblutung (Menopause) bei vielen Frauen Knochenschwund entwickelt.

Bei Männern sind für den Knochenstoffwechsel ebenfalls Sexualhormone wie Testosteron wichtig. Allerdings wird bei Männern nicht im mittleren Alter die Testosteronproduktion eingestellt. Deshalb kommt es seltener vor, dass Männer an Osteoporose erkranken als Frauen.

Jeder Mensch verliert im höheren Alter immer mehr an Knochenmasse. Deshalb können hierbei Männer und auch Frauen an Knochenschwund erkranken. Mediziner bezeichnen diese Erkrankung als senile Osteoporose.

Verschiedene Risikofaktoren können außerdem die Osteoporose verursachen. Beispielsweise eine kalziumarme Kost und Bewegungsmangel begünstigen die Osteoporose. Knochenschwund entsteht bei zahlreichen Menschen ab 70 Jahren aufgrund eines ernährungsbedingten Mangels an Vitamin D und Kalzium. Die Knochen erhalten zu wenig Vitamin D und Kalzium, wenn übermäßige Diäten, Missbrauch von Abführmitteln, überhöhter Kaffeegenuss und in der Nahrung zu viel Phosphat erfolgen. Die Osteoporose wird hiervon begünstigt.

Für Osteoporose gilt der übermäßige Genuss von Alkohol und Nikotin als Risikofaktoren. In bestimmten Familien kommt Osteoporose zudem häufiger vor. Deshalb vermuten Experten, dass ebenfalls genetische Faktoren von Bedeutung sind.

Sekundäre Osteoporose

Bei der sekundären Osteoporose handelt es sich um die Folge von anderen Erkrankungen oder der Therapie von Erkrankungen (Medikamente).

Im Körper verursacht zu viel Kortison beispielsweise einen Knochenschwund. Entweder entsteht dieser Kortisonüberschuss durch Krankheiten wie das Cushing-Syndrom oder aufgrund einer Langzeittherapie mit Kortison. Osteoporose kann ebenfalls eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auslösen. Dabei beschleunigt der Überschuss der Schilddrüsenhormone den Stoffwechsel und der Knochenabbau wird begünstigt. Sollte die Nebenschilddrüse eine Überfunktion aufweisen, kann das auch zur Osteoporose führen.

Weitere Auslöser der sekundären Osteoporose stellen wir Dir nachfolgend vor.

  • Hormonbedingte Krankheiten: Zum Beispiel Typ-1-Diabetes, Überfunktion der Nebennierenrinde oder Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen wie Eierstöcke oder Hoden.
  • Magen- und Darmerkrankungen: Wie Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Zöliakie.
  • Bösartige Tumoren: Beispielsweise Knochenmetastasen.
  • Entzündliche rheumatische Erkrankungen: Wie Rheuma (rheumatoide Arthritis).
  • Schwere Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche)
  • Andere Erkrankungen: wie Leberzirrhose und Magersucht.
  • Medikamente: Neben Cortison können ebenfalls andere Arzneimittel einen Knochenschwund begünstigen. Dazu gehören Antiepileptika (krampflösende Mittel), Cyclosporin, Heparin und bestimmte Hormontherapien.

Parodontose

Bei der Parodontose handelt es sich um einen Knochenabbau rund um die Zähne. Nicht nur Bakterien verursachen den Knochenschwund im Oberkiefer und Unterkiefer. Auch Alkoholkonsum, Nikotin, Medikamente, falsche Ernährung, Diabetes Mellitus, genetische Veranlagung, Immunerkrankungen, Zähneknirschen, Alter und Geschlecht spielen eine Rolle.

Wenn Du nun Knochenschwund im Kiefer stoppen willst, gibt es heutzutage einige Behandlungsmethoden, die die Parodontose einschränken können. Wenn man Gründe für die Parodontose wie Rauchen aufgibt, kann sich das Fortschreiten der Erkrankung auch verlangsamen.

Diagnose

Du solltest beim geringsten Verdacht auf Knochenschwund wie einer Spontanfraktur (Knochenbruch ohne erkennbaren Grund) einen Arzt aufsuchen. Wenn die Osteoporose frühzeitig erkannt wird, kann das Fortschreiten der Krankheit besser aufgehalten werden. Nachfolgend stellen wir Dir die Osteoporose-Basisdiagnostik vor, die aus mehreren Teilen besteht.

  • Arzt-Patient-Gespräch: Im Gespräch mit dem Patienten erhebt der Arzt zuerst seine Anamnese (Krankengeschichte). Der Arzt erkundigt sich bei dem Patienten nach seinem allgemeinen Befinden. Darüber hinaus fragt er, ob Einschränkungen im Alltag oder irgendwelche Beschwerden vorliegen. Beispielsweise zählen dazu Rückenschmerzen, Beschwerden bei langem Laufen, Schwierigkeiten beim Heben schwerer Dinge und beim Treppensteigen. Zudem sind für den Arzt ebenfalls Informationen wichtig über mögliche Stürze oder Knochenbrüche in der Vergangenheit. Außerdem erkundigt sich der Arzt, ob der Patient eine Krankheit aufweist oder Medikamente einnimmt.
  • Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung misst der Arzt das Gewicht und die Körpergröße des Patienten. Die körperliche Mobilität und Fitness werden mithilfe von Tests überprüft.
  • Messung der Knochendichte: Die Knochendichtemessung (DXA-Messung, Osteodensitometrie) ist bei der Osteoporose-Diagnostik auch ein wichtiger Bestandteil. Durch niedrig-dosierte Röntgenstrahlen wird dabei die Knochendichte am gesamten Oberschenkelknochen, am Oberschenkelhals und an der Lendenwirbelsäule gemessen. Mit den typischen Mittelwerten von den jeweiligen Altersgruppen werden die Messwerte (sogenannte T-Werte) verglichen. Die Osteoporose-Definition ist erfüllt, wenn die Messwerte 2,5 Einheiten weniger aufweisen als die alterstypischen Einheiten oder sogar darunter liegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet je nach T-Wert von der Messung der Knochendichte insgesamt vier Stadien von Osteoporose. Den Anfang macht Grad 0 mit Osteopenie, der Vorstufe von Osteoporose. Daraufhin folgt Grad 1, die Osteoporose mit 2,5 Einheiten. Grad 2, die manifeste Osteoporose, weist mehr als 2,5 Einheiten auf. Grad 3 ist die fortgeschrittene Osteoporose.
  • Röntgenuntersuchung: Auf einem Röntgenbild lassen sich mögliche Knochenbrüche (sogenannte Frakturen) erkennen. Unter anderem kommt es bei Knochenschwund häufig zu Wirbelkörperbrüchen. Diese entstehen beispielsweise durch ein einmaliges Ereignis (zum Beispiel einen Sturz) oder sie entstehen aufgrund von mechanischer, unterschwelliger und langanhaltender Einwirkung. Es handelt sich im zweiten Fall um schleichende Brüche. Dadurch verformen sich die betreffenden Wirbelkörper.
  • Blutuntersuchungen: Ebenfalls das Blut vom Patienten wird während der Osteoporose-Diagnostik untersucht. Hierbei wird ein Blutbild erstellt. Weitere Parameter werden hierbei bestimmt wie Kalzium- und Phosphatspiegel und Nieren- und Leberwerte.
  • Weitere Untersuchungen: Der Arzt kann außer der Osteoporose-Basisdiagnostik ebenfalls weitere Untersuchungen veranlassen. Beispielsweise ist manchmal eine CT (Computertomografie) oder eine MRT (Magnetresonanztomografie) notwendig, um für die Beschwerden vom Patienten andere mögliche Auslöser auszuschließen. Der Arzt entnimmt in seltenen Fällen eine Probe vom Knochengewebe (Knochenbiopsie). Im Labor wird die Knochenprobe genauer untersucht. Das kann eventuell dabei hilfreich sein, wenn der Arzt nur einen unklaren Befund erlangte mit den anderen Untersuchungen.

Behandlung

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Aus mehreren Bausteinen setzt sich die Osteoporose-Therapie zusammen. Dabei wird sie an den Patienten individuell angepasst. Bei der Therapie-Planung berücksichtigt der Arzt daher, wie ausgeprägt der Knochenschwund ist und wodurch dieser ausgelöst wurde.

Allgemeines zur Osteoporose-Therapie

Bei jeder Osteoporose-Therapie zählen die richtige Ernährung und ausreichend Bewegung zu den wichtigsten Basismaßnahmen. Der Patient erhält je nach Notwendigkeit gegen die Osteoporose zusätzliche Medikamente. Auch eine Sturzvorbeugung ist wichtig, denn Patienten mit Osteoporose erleiden leicht einen Knochenbruch.

Sollte eine sekundäre Osteoporose aufgrund einer anderen Krankheit (wie Schilddrüsenüberfunktion) entstanden sein, muss die Grunderkrankung behandelt werden. Die Osteoporose-Therapie könnte ansonsten nicht den gewünschten Erfolg erzielen.

Falls eine sekundäre Osteoporose durch Medikamente ausgelöst wurde, wird der Umstieg zu möglichst „knochenfreundlichen“ Präparaten empfohlen, somit auf Arzneimittel, die sich auf die Knochendichte weniger negativ auswirken.

Nachfolgend kannst Du mögliche Therapie-Ansätze bei der Osteoporose einsehen.

  • Bewegung: Osteoporose kann man mit regelmäßiger Bewegung vorbeugen und behandeln. Es ist dabei sehr wichtig, die richtige Sportart oder Bewegungsform auszuwählen. Zunächst ist bei der Osteoporose-Therapie Leistungssport nicht notwendig. Zum Beispiel fängt eine wirksame Osteoporose-Behandlung schon damit an, regelmäßig spazieren zu gehen. Dadurch wird der Knochenaufbau gefördert und der Knochenabbau gehemmt. Auch ist es sehr effektiv, leichtes Lauftraining wie Walking oder Jogging auszuführen. Empfehlenswert ist bei der Osteoporose-Therapie ebenfalls das Schwimmen.
  • Ernährung: Du solltest Dich ausgewogen ernähren. Dabei ist es wichtig, ausreichend Kalzium durch die Ernährung aufzunehmen. Für starke, gesunde Knochen ist Kalzium wichtig. Erwachsene sollten ihrem Körper pro Tag 1.000 Milligramm Kalzium mit der Nahrung zuführen. Vor allem enthalten Milchprodukte Kalzium, doch ebenfalls in einigen Mineralwassersorten und in grünen Gemüsesorten wie Broccoli und Spinat ist Kalzium enthalten. Falls der Patient durch die Ernährung nicht ausreichend Kalzium aufnehmen kann, verschreibt der Arzt Kalzium-Präparate wie Brausetabletten. Auch Vitamin D ist sehr bedeutsam bei Osteoporose. Für Vitamin D sind gute Nahrungsquellen Milch, Butter, Eier und Fisch. Zudem verschreibt der Arzt bei Osteoporose häufig auch Vitamin D-Präparate.
  • Medikamente gegen Knochenschwund: Bisphosphonate, selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM), Strontiumranelat, Teriparatid und Denusomab.
  • Schmerztherapie: Der Arzt kann bei Osteoporose gegen die Schmerzen eine Schmerztherapie einleiten. Häufig werden dabei Schmerzmittel eingesetzt wie NSAR mit ASS (Acetylsalicylsäure), Ibuprofen oder Diclofenac. Der Arzt kann bei stärksten Schmerzen ebenfalls sogenannte Opiate verschreiben. Weitere Medikamente sind in einigen Fällen sinnvoll, beispielsweise Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Medikamente). Häufig helfen gegen Osteoporose-Schmerzen ebenfalls physikalische Therapiemaßnahmen. Zu diesen gehören Massagen, Akupunktur oder Kälte- oder Wärmebehandlung.
  • Operation: Ein operativer Eingriff kann bei Wirbelkörpereinbrüchen sinnvoll sein. Der Chirurg bringt bei einer sogenannten Vertebroplastie in den gebrochenen Wirbelkörper Knochenzement ein. Der Wirbelkörper wird bei der Kyphoplastie zunächst aufgedehnt mit einem kleinen Ballon. Den Knochen kann das ein wenig aufrichten und das erleichtert das Einbringen des Zements. Manchmal müssen andere Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose auch operiert werden. Manche Patienten erhalten zum Beispiel ein künstliches Hüftgelenk nach einem Oberschenkelhalsbruch.
  • Weitere Tipps: Du solltest Untergewicht vermeiden und auf Nikotin und Alkohol verzichten. Im Alltag solltest Du auf ein rückenschonendes Verhalten achten (zum Beispiel kein Tragen von schweren Lasten, aufrechte Sitzposition, die Sitzhaltung regelmäßig wechseln, bei der Hausarbeit gebückte Haltung vermeiden und durchgelegene Matratzen austauschen). Auch Homöopathie und Schüssler Salze können unterstützend bei der Osteoporose wirken.
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